Der Religionsflame

  • lol, hab mich in meinem eigenen Thread ja noch garnicht geäußert. Also, Anlass für den Thread war, dass ich heute morgen aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten bin.

    Ich habe mich, da ich jetzt bedingt durch die Ausbildung wieder Religionsunterricht auf dem Plan stehen habe, die Tage etwas eingehender mit dem Thema "Religion" auseinandergesetzt.

    Was dabei rausgekommen ist: Ich möchte Glauben und Kirche erstmal ganz klar voneinander trennen. Für die römisch-katholische Kirche müsste ich mich eigentlich schämen, da Mitglied gewesen zu sein. Ich möchte jetzt garnicht groß ausholen und die Gründe dafür aufzählen, aber in vielen Punkten kann ich mich mit dieser Institution einfach nicht identifizieren. Des weiteren werde ich mich wohl vom schulischen Religionsunterricht befreien, da ich nicht von einem römisch-katholischen Theologen unterrichtet werden will.

    Allerdings finde ich das Christentum ansich, die viele alten Traditionen, die biblichen Geschichten usw. nach wie vor total spannend. Auch wenn wohl viele Bestandteile des "Glaubens" von Menschen gemacht wurden, ist es doch sehr beeindruckend, in welchen Maßstäben sich das ganze Konstrukt über die vielen Jahrhunderte gehalten hat. Und ich bin ja, auch ohne Kirche, nach wie vor ein getaufter Christ.

    Daher werde ich mich auf kurz oder lang wohl mal nach einer neuen Konfession umsehen. Diese muss jedoch weitaus toleranter und offener als die römisch-katholische Kirche sein, bevor ich überhaupt in Erwägung ziehen würde, dort beizutreten. Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja was. Finds irgendwie ein komisches Gefühl, von kirchlicher Sicht her "garnichts" zu sein...

  • Zitat von hecken

    Allerdings finde ich das Christentum ansich, die viele alten Traditionen, die biblichen Geschichten usw. nach wie vor total spannend.

    klar, aus geschichtlicher und wissenschaftlicher sicht ist das spannend zu erforschen, auf jeden fall, aber

    Zitat von hecken

    Finds irgendwie ein komisches Gefühl, von kirchlicher Sicht her "garnichts" zu sein...


    Warum genau?
    Alle Religionen Fußen grundlegen betrachtet mal darauf, dass Menschen sich dinge erklären wollen, die sie nicht erklären konnten, weswegen götter geschaffen wurden, die im grunde primär dafür genutzt werden, eigene verantwortung als "wille gottes" oder schicksal abzustempeln oder so

    Das heißt aber nicht, dass man nicht an etwas glauben sollte, was das eigene Weltbild definiert. Ich glaube an Informationen und deren freien Fluss und bin überzeugt, dass die welt eine bessere wäre, wenn wir mit Informationen prinzipiell freier umgehen würden und sie sinnvoll nutzen können. Das ist mein "Glauben", der prinzipiell auch erstmal etwas abstraktes ist, aber dennoch kein (offensichtlich nichtexistentes) übersinnliches wesen, auf welches ich meine Verantwortung in der Welt abwälzen kann.

  • Zitat von oreissig


    Warum genau?
    Alle Religionen Fußen grundlegen betrachtet mal darauf, dass Menschen sich dinge erklären wollen, die sie nicht erklären konnten, weswegen götter geschaffen wurden, die im grunde primär dafür genutzt werden, eigene verantwortung als "wille gottes" oder schicksal abzustempeln oder so

    Da hast du natürlich Recht. Ich sehe die Aufgabe der Kirche in der heutigen Zeit auch eher als eine Instanz für Gemeinschaft und respektvolles Miteinander. Und der alleinige Glaube an einen Gott, abgesehen von all den von Menschen gemachten Zusammenhängen in der Bibel (Schöpfungsgeschichte etc.) steht selber auch nicht in Widerspruch zur Wissenschaft.

  • Zitat von hecken

    Ich sehe die Aufgabe der Kirche in der heutigen Zeit auch eher als eine Instanz für Gemeinschaft und respektvolles Miteinander.

    Und da siehst du allen ernstes die existierenden Glaubensgemeinschaften (so praktisch das Konzept Religion dafür auch sein mag) als brauchbar an?
    Weitere frage: was unterscheidet eine Glaubensgemeinschaft von jeder anderen Gemeinschaft, wo man sich ebenfalls trifft und ggf. für soziales einsetzt oder whatever? Bzw. warum sollte erstere ausgerechnet besser geeignet sein?

    Zitat von hecken

    Und der alleinige Glaube an einen Gott, abgesehen von all den von Menschen gemachten Zusammenhängen in der Bibel (Schöpfungsgeschichte etc.) steht selber auch nicht in Widerspruch zur Wissenschaft.


    Das kommt drauf an...Klar ists einem durch wissenschaftliche Erkenntnisse nicht verboten weiterhin an Gott zu glauben, allerdings ist für mich als analythisch denkendem Mensch jegliche Grundlage für die Existenz dieses Wesens (z.B. Schöpfungsgeschichte/Evolution, Himmel/Hölle (wo sind die doch gleich?), ...) inzwischen einwandfrei hinweggepustet, weswegen es für mich keinerlei grund gäbe anzunehmen, dass dieses Wesen existiert. und ohne wesen, kein glauben an ein solches. Was nur noch bei "Religionen" endet, die kein Konzept eines Gottes haben.
    EDIT: meiner vermutung nach ist das übrigens auch der Grund, warum ausgerechnet bei Menschen mit niedrigerem Bildungsstand die Religiösität typischerweise höher ist, denn die beschränken sich auf das, was sie betrifft und haben weniger den Anspruch, dass sich hinter der ganzen Fassade ein solides Fundament befindet.

  • Ich glaub nix was ich nich seh :fresse:

    Spoiler anzeigen


    Haupt-Laptop:
    Dell Vostro 3560 - i7-3632QM, 6GB
    Rechenknechte:
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    Sony - Pentium M, 512MB
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  • Zitat von oreissig

    Und da siehst du allen ernstes die existierenden Glaubensgemeinschaften (so praktisch das Konzept Religion dafür auch sein mag) als brauchbar an?
    Weitere frage: was unterscheidet eine Glaubensgemeinschaft von jeder anderen Gemeinschaft, wo man sich ebenfalls trifft und ggf. für soziales einsetzt oder whatever? Bzw. warum sollte erstere ausgerechnet besser geeignet sein?

    Ich sag doch garnicht, dass eine Religionsgemeinschaft dafür brauchbarer ist als andere Gemeinschaften. o_O Und die existierenden Glaubensgemeinschaften machen heutzutage leider immernoch viel falsch, sag ich ja, das war auch der Grund warum ich ausgetreten bin. Ich würde es mir nur wünschen, dass Glaubensgemeinschaften sich vor allem auf die Vermittlung von vernünftigen Werten, also die Basis des menschlichen Zusammenlebens, konzentrieren würden. Nur dann kann ich mich mit einer solchen Glaubensgemeinschaft identifizieren, dann wäre es für mich auch möglich meinen Glauben mit einer Gemeinschaft zu verbinden...

    Zitat von oreissig


    Das kommt drauf an...Klar ists einem durch wissenschaftliche Erkenntnisse nicht verboten weiterhin an Gott zu glauben, allerdings ist für mich als analythisch denkendem Mensch jegliche Grundlage für die Existenz dieses Wesens (z.B. Schöpfungsgeschichte/Evolution, Himmel/Hölle (wo sind die doch gleich?), ...) inzwischen einwandfrei hinweggepustet, weswegen es für mich keinerlei grund gäbe anzunehmen, dass dieses Wesen existiert. und ohne wesen, kein glauben an ein solches. Was nur noch bei "Religionen" endet, die kein Konzept eines Gottes haben.

    Das steht dir ja auch vollkommen frei. Finde es persönlich auch gut, dass du dadurch in einer für dich "geordneten" Welt lebst.
    Ich persönliche glaube auch an wissenschaftliche Erkenntnisse. Jedoch fehlt mir am Ende das letzte Puzzlestück, wo bei mir die Religion ins Spiel kommt. Jeder sollte das einfach so handhaben wie ers für richtig hält, das ist für mich einfach nicht diskussionswürdig und -fähig.

  • Stimme oreissig da vollumfänglich zu.
    Ich selber bin noch Mitglied der katholischen Kirche, habe das Geld für Erstkommunion und Firmung auch dankend entgegengenommen, will aber sonst nichts mit der Kirche zu tun haben.
    Einerseits wegen den Praktikten der katholischen Kirche, andererseits, wie oreissig schon ausgeführt hat, weil ein 2000 Jahre altes Buch für mich kein Grund ist, von der Existenz eines übermenschlichen Wesens auszugehen. Zumal die Beschreibung, die die Bibel liefert, in sich nicht mals schlüssig ist, das heißt nichtmals dieses 2000 Jahre alte Buch könnte da als FItzelchen eines Hinweises auf einen Gott herhalten.
    Ansonsten verstehe ich auch nicht ganz, warum man zum Erhalt moralischer Werte oder zum praktizieren einer Gemeinschaft unbedingt eine Kirche brauch, die uns unter einem Vorwand eine Gemeinschaft bildet, der mit unserem wissenschaftlichen Weltbild nicht konform geht.

    Ich spreche der Religion eine gewisse Existenzberechtigung in Dritte-Welt-Ländern zu, wo den Menschen wirklich nichts anderes bleibt als die Hoffnung, dass in einem Leben nach dem Tot alles besser wird, oder der Glaube, dass ein Gott existiert, der diejenigen belohnt, die im Leben leiden müssen. Dort ist so ein Glaube wohl einfach pragmatischer als eine rationale Weltsicht, an der würde man dort zugrunde gehen.
    In unseren gefilden sehe ich aber nicht ganz, warum man seine Moral nicht auf die Vernunft begründen kann und warum man keine Gemeinschaften aufrund gemeinsamer Interessen bildet.
    Der Gedanke, dass wir uns nur an moralische Prinzipien halten weil ein übermenschliches Wesen das will und wir Mitglied einer Gemeinschaft sind, weil wir da irgend ein übermenschliches Wesen ehren können, scheint mir ehrlich gesagt abwegig und grotesk.

  • Zitat von Commodore-Freak

    und warum man keine Gemeinschaften aufrund gemeinsamer Interessen bildet.

    Sag ich ja. Die einen bilden eine Gemeinschaft, weil sie gerne Fußball spielen. Die anderen bilden eine Gemeinschaft, weil sie an ein übersinnliches Wesen glauben. Ich sehe alle Gemeinschaften als einen zusätzlichen Gewinn für die Gesellschaft, so lange die Inhalte, mit denen sich die Gemeinschaften beschäftigen, am Ende keine negativen Folgen für Unbescholtene haben.

  • Wäre dafür den gröbsten eud0r aus dem Thread zu entfernen und nach Philosophie & Kunst zu verschieben.

    Immer wieder hört man, dass Religoin und Götter bloß den Zweck der Welterklärung hätten, und das Religion jetzt, wo es auch ne wissenschaftliche Welterklärung gibt, mehr oder weniger überflüssig oder gar irrational ist.
    Aber wenn das eine Kritik an Religion sein soll, dann kämpft man gegen einen recht einfachen Gegner. Zugeben mag man, dass der griechische Ziegenbauer um 750 v. Chr. so einen Glauben gehabt hat; aber offenbar kritisiert man heute keine stinkenden griechischen Ziegenbauern, wenn man eine Kritik an Religion üben möchte.
    In solcher "Kritik" oder in einem solchen Verständnis von Religion wird Religion zu einem Aussagesystem gemacht, das deskriptiven Inhalt hätte. Religion wird dann eine Theorie, was der Fall ist. Wenn man sagt, dass sich Religion und Wissenschaft widersprechen, dann muss man annehmen, dass sowohl Wissenschaft als auch Religion jeweils Narrationen über den gleichen Gegenstandsbereich, bloß mit unterschiedlichem (und im Falle der Religion in sich widersprüchlichem) Inhalt sind. Dieses Verständnis, nach dem sich Wissenschaft und Religion widersprechen, impliziert, dass man Wissenschaft und Religion für strukturäquivalent hält. Die Konsequenz dieser Sicht ist ein Religionsverständnis, wie es nichtmal mehr im 13. Jahrhundert gepflegt worden ist: dass man, wenn man die Bibel aufschlägt, eine (fiktive/falsche/ungesicherte/widersprüchliche) Antwort darüber bekommt, was der Fall ist. Schwimmt Eis auf dem Wasser? Schlagen wir die Bibel auf! Warum bewegen sich die Sterne mit gewissen Regelmäßigkeiten? Ah warte, da habe ich neulich was im Johannesevangelium gelesen... - es ist klar, das ist nicht das, was Religion (heute) ausmacht. [Edit: Man könnte sich fragen, ob der antike Mensch, der Götter als Erklärung verwendet hat, religiös war]
    Übrigens ist es eben genau dieser Fehler, den Kreationisten begehen. Die lesen die Bibel auch wie einen Tatsachenbericht, zu dem man andere Phänomenmengen (Fossilien) konsistent machen muss. Die lesen die Bibel nicht in einer Weise, die wir als originär religiös bezeichnen würden. Die betreiben schlicht und einfach Pseudowissenschaft, weil sie innerhalb der wissenschaftlichen Struktur vermeintlich religiöse Inhalte einbringen wollen.
    Vielmehr hat Religion die Funktion, das, was der Fall ist (und was in den wissenschaftlichen Narrationen repräsentiert ist) unter bestimmte Interpretationen zu bringen, die es für uns erträglich machen. Aussagen, die originär religiös, von denen man sagen kann, dass sie gleichzeitig nicht Wissenschaft sind, zielen in einen Bereich, der hinter Wissenschaft und Faktischem liegt.

    Ich denke deswegen auch nicht, dass man über Moses, Jesus oder Mohammed sagen könnte, sie wären religiöse Menschen gewesen. Wir müssen uns Moses, Jesus oder Mohammed eher als ernüchterte, moderne Menschen vorstellen. Indem sie Gott gesehen haben, haben sie erkannt, was wirklich ist. Und damit hatte "Gott" nichts mehr religiöses an sich. Er war keine Entität mehr, die Sinngebung versprach; er ist auf einmal ein echtes Ding gewesen.

    Einmal editiert, zuletzt von miguel (6. September 2010 um 20:45)

  • Ich glaub ich hab nich alles von miguel verstanden, aber ich geh mal auf das ein, was ich glaube verstanden zu haben.

    Dass Religion nicht äquivalent zu moderner Wissenschaft ist und die Bibel nicht als Lexikon zu gebrauchen ist, ist mir schon bewusst, dennoch versucht Religion richtlinien zu geben wie der Mensch sein Leben gestalten soll und grundlegende philosophische Fragen zu klären wie "woher komme ich?" und "was ist der sinn des lebens?" usw. Religion versucht also ein bestimmtes Rahmenwerk zu bestimmen, in dem Menschen hoffentlich ein möglichst gutes Leben führen können (so ist das angedacht).
    Und genau dabei tangiert Religion unweigerlich auch Wissenschaft, weil unser Leben immer mehr von wissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmt bzw. in dieser Form wie heute überhaupt erst möglich gemacht wird. Neben den vielen Geschichten und Traditionen und Bräuchen werden eben auch Informationen eingebracht, die man nach 2000 Jahren nun als falsch bewiesen hat, und dabei geht es eben gerade nicht um den Zuckerguss obendrauf, sondern um das Fundament, worauf alles erst fußt.
    Das ist wie eine vollständige Induktion, bei der der Induktionsanfang falsifiziert wird. Der Rest mag ja schön klingen, aber es gibt keinen Grund mehr anzunehmen, dass irgendetwas davon gehalt hat.

  • Dem ersten Absatz stimme ich zu, dem zweiten nicht. Ich glaube, gerade wenn man Religion als Antworten auf Fragen wie den Sinn des Lebens usw. versteht, bewegt sich Religion in einem Bereich neben/hinter Wissenschaft, kann dieser also nicht widersprechen. Wenn Wissenschaft Religion widersprechen könnte, dann heißt das entweder, das Wissenschaft uns etwas über den Sinn des Lebens uns Werte erzählen kann (das kommt mir unsinnig vor) oder es heißt, dass man ein karikierendes Bild von Religion zeichnet, in dem es garnicht mehr fähig ist, Sinnfragen zu beantworten (in dem es nur eine andere theorie neben den wissenschaftlichen ist, z.B. im Kreationismus wie gesagt).
    Religiös liest man die Bibel erst, wenn man die Sätze nicht als Aussagen darüber, was in der Welt historisch passiert ist, liest, sondern sie als Metaphern begreift. Als Weltdeutungen, die Sinn stiften. Sobald man dies tut, können sie wissenschaftlichen Aussagen aber nicht widersprechen, weil wissenschaftliche Aussagen niemals solche sein können, die Sinn stiften (und aus ihnen auch nie solche folgen). Also, ich meine, der Punkt ist eigentlich ganz simpel, habe es oben wohl etwas diffus geschrieben. Wir haben es sozusagen mit einem Kategorienfehler zu tun, wenn wir sagen, dass religiöse Aussagen, die sinnstiftend sind, den Bereich der wissenschaftlichen Aussagen tangieren. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass man die Aussage "Es gibt Gott" nicht wie "Es gibt x" lesen kann; vielleicht ist es keine Existenzaussage

    Einmal editiert, zuletzt von miguel (7. September 2010 um 00:08)

  • Zitat von miguel

    Ich glaube, gerade wenn man Religion als Antworten auf Fragen wie den Sinn des Lebens usw. versteht, bewegt sich Religion in einem Bereich neben/hinter Wissenschaft, kann dieser also nicht widersprechen. Wenn Wissenschaft Religion widersprechen könnte, dann heißt das entweder, das Wissenschaft uns etwas über den Sinn des Lebens uns Werte erzählen kann (das kommt mir unsinnig vor) oder es heißt, dass man ein karikierendes Bild von Religion zeichnet, in dem es garnicht mehr fähig ist, Sinnfragen zu beantworten (in dem es nur eine andere theorie neben den wissenschaftlichen ist, z.B. im Kreationismus wie gesagt).

    Wissenschaft kann aber sehr wohl sagen, woher wir kommen (Urknall, Fortpflanzungsprozesse) und wohin wir gehen (der prozess des sterbens) oder was uns ausmacht (dass unsere seele nix übernatürliches ist, was in diesem menschlichen körper gefangen ist und danach dann irgendwo aufsteigt oder so, sondern aus einem netzwerk aus nervenzellen entwächst).
    Für Fragen wie wir uns im Alltag verhalten sollten gibt es schließlich noch die Politik, die mehr oder weniger auf Erkenntnissen der Ethik, Philosophie und den Sozialwissenschaften fußt.
    Wo braucht man hier nochmal Religion?

    Zitat von miguel


    Religiös liest man die Bibel erst, wenn man die Sätze nicht als Aussagen darüber, was in der Welt historisch passiert ist, liest, sondern sie als Metaphern begreift. Als Weltdeutungen, die Sinn stiften. Sobald man dies tut, können sie wissenschaftlichen Aussagen aber nicht widersprechen, weil wissenschaftliche Aussagen niemals solche sein können, die Sinn stiften (und aus ihnen auch nie solche folgen).

    schön, aber auch dafür braucht man keine Religion, das kann jedes der Grimmschen Märchen oder anderer geschichten ganz genauso, ohne dass sich dafür an eine Gottheit klammern muss

    Das Problem, was ich mit Religionen habe ist also nichtmal, dass es aus Prinzip Bullshit ist, sondern dass dieser Bullshit ernsthaften Einfluss auf unsere Welt ausübt, ob wir das wollen oder nicht. In so einer Welt, möchte ich nicht leben.
    Als Glaubender an "Informationen" glaube ich auch an soetwas wie den "Triumpf der Wahrheit" und das widerspricht einfach meinem Weltbild. Und wenn man mal vergleicht, was hat uns Wissenschaft und Information so gebracht? ($TECHNISCHE_INNOVATION) und was Religion? (Mittelalter, hexenverbrennungen, kreuzzüge, oder auch noch die heutigen kriege unten in israel, iran, irak, ...)
    wegen Grimms Märchen oder den 3 kleinen Schweinchen hat noch keiner nen Krieg gemacht...


    EDIT: und was hier in diesem Thread natürlich keinesfalls fehlen darf:

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    Einmal editiert, zuletzt von oreissig (7. September 2010 um 01:43)

  • Zitat von oreissig

    Wissenschaft kann aber sehr wohl sagen, woher wir kommen [..] und wohin wir gehen [..]
    Wo braucht man hier nochmal Religion?


    Weil Wissenschaft es eben nicht erklären kann, woher wir kommen und wohin wir gehen - nur wie wir dies wahrnehmen.

    Nun hat der menschliche Verstand aber erkannt, dass es Dinge gibt, die er nicht erkennen kann: Der Mensch nimmt beispielsweise Ursache und Wirkung wahr. Dies ist aber ein Gesetz der Wahrnehmung - und aber kein Beweis dafür, dass die Welt wirklich nach dem Prinzip funktioniert.

    Darüber, ob es überhaupt Sinn macht, sich über nicht-wahrnehmbrage Dinge zu spekulieren, darüber können wir noch Streiten - sicher ist aber das Wissenschaft diesen Bereich nie decken werden kann, während Religion diesen Bereich seit jeher abgedeckt hat. Dass du nach deinem Tod nicht ausserhalb der Matrix aufwächt, das würde Wissenschaft beispielsweise nicht herausfinden können. Religion hingegen kann darüber spekulieren.

  • Zitat von oreissig


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    Er ist einfach genial :D

  • Wo braucht man noch Religion?
    gandro hat eine epistemische Kritik geübt. Mit Wissenschaft weiß man nicht alles; "Ursache" ist eine Verstandeskategorie, die man erst auf die Wirklichkeit anwendet und nicht aus der Wirklichkeit entnimmt (Kants kopernikanische Wende natürlich). Mit Wissenschaft können wir nicht wissen, was wirklich hinter unseren Wahrnehmungen liegt, wie die Welt eigentlich wirklich auch dahinter funktioniert; und hier kommt in gandros Ausführungen dann Religion als eine spekulative Erzählung dazu. Aus diesen Ausführungen spricht weiterhin ein Paradigma, das Religion als eine Erzählung ansieht, die versucht ontologische Aussagen zu treffen - darüber, was ist/was der Fall ist.
    Ich würde weiter gehen, und sagen, dass auch dies noch nicht das eigentlich Religiöse trifft. Wo braucht man noch Religion? Offenbar nicht, um zu beantworten, wo wir faktisch herkommen oder wo wir faktisch hingehen werden - und nicht einmal, um hinter den wissenschaftlichen Antworten noch weitere Spekulationen darüber anzustellen, was ist. Religion braucht man, um sich zu diesen Fakten irgendwie zu verhalten. Religion deutet die vorhandenen Fakten als irgendwie sinnvoll, spendet emotionale Bewältigung; ich finde die systemtheoretische Position der Religion als "Kontingenzbewältigungspraxis" gut. Es gibt und wird keine wissenschaftliche Erkenntnis geben, die mir sagt, ob der Weltlauf insgesamt sinnvoll oder absurd ist, wie ich mich zu der Welt und anderen Verhalten soll. Grimms Märchen leisten das auch nicht; wiederrum soll damit Religion als etwas karikiert werden, das es nicht ist (Grimms Märchen sind bloß moralische Lektionen).

    Wenn man Religion als mit Wissenschaft strukturähnlich ansieht, dann bekommt man auch nicht gewisse Gefühle des Heiligen in den Blick bzw. kann sie nicht adäquat verstehen. Wenn Religion nur durch wissenschaftliche Welterklärung ersetzbar ist - was ist dann mit solchen Gefühlen des Heiligen? Warum fühlen selbst Wissenschaftler Ehrfurcht vor gewissen Phänomenen in der Welt? Religion ist mehr als Spekulation über das, was ist.

  • Zitat von gandro


    Weil Wissenschaft es eben nicht erklären kann, woher wir kommen und wohin wir gehen - nur wie wir dies wahrnehmen.

    Den ganzen Wahrnehmungspart hab ich ehrlichgesagt nicht kapiert, aber imho unterscheiden sich die Antworten von religion und wissenschaft auf diese Fragen nur in der Ausgeschmücktheit und Blumigkeit...Religionen reden den Menschen eben ein, dass ihre geburt ein absolut großartiger Akt eines großartigen Wesens ist und dass sie nach dem Tot erst so richtig ne Party (oder die Hölle oder whatever) erwartet. Das sagt einem Wissenschaft nicht, weils einfach keinerlei Grund gibt anzunehmen, dass dem so ist.
    Im übrigen spekuliert Wissenschaft sehr wohl, aber 1. wenn es nen Grund gibt anzunehmen, dass das wirklich so sein könnte und 2. ausschließlich mit dem Ziel, diese spekulation irgendwann mal zu bewahrheiten und nicht, um bei dieser Spekulation aufzuhören

    Im übrigen sehe ich weder Grund, noch Notwendigkeit von dem Grundkonzept der Kausalität abzusehen. Bisher hat die Wissenschaft für schon ziemlich viele unerklärliche Rätsel logische Erklärungen gefunden und es werden täglich mehr.
    Man könnte jetzt natürlich sagen, dass man nichtmal Grund zur Notwendigkeit einer Gottheit erkennen muss, weil das auch wieder Kausalität wäre, denn eine Gottheit könnte sich ja genauso gut selbst legitimieren. Aber wenn wir ernsthaft anfangen auf dieser Ebene diskutieren zu wollen, dann können wir eigentlich auch gleich aufhören, denn ohne auf Gründe aufzubauen kann man nicht diskutieren.

    Zitat von miguel

    Religion braucht man, um sich zu diesen Fakten irgendwie zu verhalten. Religion deutet die vorhandenen Fakten als irgendwie sinnvoll, spendet emotionale Bewältigung; ich finde die systemtheoretische Position der Religion als "Kontingenzbewältigungspraxis" gut. Es gibt und wird keine wissenschaftliche Erkenntnis geben, die mir sagt, ob der Weltlauf insgesamt sinnvoll oder absurd ist, wie ich mich zu der Welt und anderen Verhalten soll. Grimms Märchen leisten das auch nicht; wiederrum soll damit Religion als etwas karikiert werden, das es nicht ist (Grimms Märchen sind bloß moralische Lektionen).

    Grimms Märchen waren nur auf einen Teil der Bibel bezogen, der sich weniger um Gott dreht, als eben um moralische Lektionen.
    Ich möchte nochmal zurückkommen auf das, was ich früher im Thread gesagt habe. Man kann ja durchaus an etwas glauben, eine Vision an ein bestimmtes Weltbild, welches einem die Grundzüge des Handelns bestimmt, aber warum brauchen wir da notwendigerweise dieses Konzept von Gottheiten, die man anbeten muss, wo man in ne Kirche/Moschee/... gehen muss, ...
    ich seh ein, dass ein bestimmtes Weltbild im Kopf sinnvll ist, aber daraus resultiert noch lange nicht die Notwendigkeit von Bullshit!

    Nochmal zu Grimms Märchen: natürlich eröffnen Grimms Märchen kein Weltbild, aber sie können ein Baustein sein, um Leitlinien für sein eigenes Weltbild zu finden. Genauso wie die Erzählungen der Bibel nicht den Glauben selbst begründen, so haben sie doch eine gewisse Relevanz in dem Kontext, sonst wären sie ja schließlich nicht in der Bibel enthalten.

    Zitat von miguel

    Wenn man Religion als mit Wissenschaft strukturähnlich ansieht, dann bekommt man auch nicht gewisse Gefühle des Heiligen in den Blick bzw. kann sie nicht adäquat verstehen. Wenn Religion nur durch wissenschaftliche Welterklärung ersetzbar ist - was ist dann mit solchen Gefühlen des Heiligen? Warum fühlen selbst Wissenschaftler Ehrfurcht vor gewissen Phänomenen in der Welt? Religion ist mehr als Spekulation über das, was ist.

    WTF "Gefühle des Heiligen"?
    Sorry, aber i lold. ich habe keine "Gefühle des Heiligen", auch wenn ich ein heftiges Gewitter mit erfurcht beobachte...wie zur Hölle kommst du auf diesen Zusammenhang, dass Naturphänomene automatisch auf Gottheiten zurückgeführt werden? Ich dachte ehrlich, dass die Menschheit es seit spätestens 200 Jahren mal langsam besser weiß.

  • Ich glaube ich möchte nochmal bei einem anderen Punkt einhaken, den Miguel hier öfters wie selbstverständlich anspricht: Die Definition des "Religiösen".
    Du sagst hier mehrfach, dass Wissenschaft und Religion auf zwei vollkommen verschiedenen Ebenen arbeiten, Wissenschaft versucht, die Welt wie wir sie direkt sehen in ihren Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, Religion versucht ihr einen Sinn zu geben. Wissenschaft soll als ein Tatsachenbericht gelesen werden, Religion als eine Metapher.
    Das ist doch aber historisch gesehen schlichtweg nicht wahr. Religion war in seiner Konzeption nie als Metapher gedacht, Religion sollte gezielt Phenomäne in der Wirklichkeit erklären. Das war schließlich erst der Grund, warum die Leute sich zur Steinzeit soetwas wie die Existenz von göttlichen Wesen erdachten.
    Und das Christentum funktioniert im Grunde genau so. Die Bibel liest sich, und das meine ich vollkommen unabhängig davon, wie sie heute interpretiert wird, wie ein Tatsachenbericht. Das neue Testament beschreibt das Leben einer realen Person, die Dinge tut, die nach dem heutigen Wissenschaftsverständnis unmöglich sind. Die Schöpfungsgeschichten berichten jeweils ganz konkret, wie die Menschheit entstanden ist.
    Und als Tatsachenbericht wurde diese Religion auch die meiste Zeit behandelt. Beispielsweise war es immer Teil des christlichen Glaubens, dass unsere Welt der Mittelpunkt des Universums ist. Irgendwann kam Galileo Galilei mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass unsere Welt nicht einmal der Mittelpunkt unseres Sonnensystems ist. Und was passierte? Niemand akzeptierte das einfach so, weil die Welt im Mittelpunkt des Universums nicht einfach als Metapher gedacht war. Man sagte klipp und klar, dass die Wissenschaften religiösen Fakten widerspricht und verbot sie.
    Mit der Evolutionstheorie spielte sich im Grunde das Selbe ab. Man versuchte einen wissenschaftlichen Tatsachenbericht zu unterdrücken, weil er einem religiösen Tatsachenbericht im Weg stand.
    Als Metapher begreifen wir Religion doch erst, seitdem kein Weg mehr dran vorbei führt. Die Wissenschaft hat mittlerweile nachgewiesen, dass das meiste, was in der Bibel steht, Quatsch sein muss. Und erst jetzt, da wir mit relativ großer Wahrscheinlichkeit sagen können, dass die Bibel als Tatsachenbericht nichts taugt, wird sie plötzlich als Metapher verstanden.
    Und diese Metapher soll nun von Millionen von Menschen als Leitfaden benutzt werden? Diese Metapher soll als Entität funktionieren, die Gut und Böse definiert?
    Überlegt euch nur mal: Wenn wir in die Kirche gehen, huldigen wir immer noch einer Gottheit. Wozu braucht eine Metapher, die sich nicht wie ein Tatsachenbericht liest, eine Gottheit die wir anbeten? Wir beten sie ja auch nicht metaphorisch an, um indirekt etwas ganz anderes auszudrücken. Der ein oder andere sehr aufgeklärte Christ mag das vielleicht so verstehen, aber frag mal einen Priester, ob er auch der Meinung ist, dass Gott nichts anderes als eine Metapher ist, die zu mehr als einer Metapher nichts taugt. Und behalte auch im Hinterkopf, dass die Kirche nicht im Rahmen einer Metapher gebaut wurde, sondern weil der Glaube, dass ein Gott tatsächlich existiert, groß genug war, um den Ansporn zum Bau einer solchen Kirche zu geben.
    Was wir heute sagen können ist "hey, als Metapher taugt Religion nicht einigermaßen", wir können aber nicht sagen "Religion ist nur eine Metapher, kein Tatsachenbericht". Das wollte Religion nie sein, wir haben es nur zu ihr gemacht, weil der Tatsachenbericht als falsch entlarvt wurde.
    Und übrigens ist selbst die Metapher alles andere als optimal. Immerhin verlangt diese Metapher immer noch, dass wir vor etwas niederknien, für dessen Existenz keinerlei Hinweise existieren.

  • Ich persönlich habe meinen "Glauben", so denn ich ihn denn so schimpfen darf, im Fußball gefunden.
    Ich glaube das, und das ist das entscheidende, ich da einfach in einer starken Gemeinschaft mit realen Zielen bin.
    In einem Bund von Freunden, die für ein Ziel kämpfen.
    In der Kirche sehe ich keine Ziele.
    Zumindest keine in der Hinsicht für mich begreifbaren, sinnvollen.
    Für mich ist es sinnvoll, mich am Wochenende mit meinem Fanclub 500 km ins nächste Stadion zu begeben, und mich zu besaufen.
    Wir machen Stimmung und unterstützen somit die Fußballer, welche den Support gerne annehmen.
    Wer nimmt denn den Support in der Kirche entgegen? Der Papst?
    Nein danke, ich brauche keinen der einen Draht zu einem Wesen hat welches nicht existiert.
    Da kann ich dann auch ans FSM glauben, das ist genauso hirnlos.

  • Zitat von Commodore-Freak

    Ich glaube ich möchte nochmal bei einem anderen Punkt einhaken, den Miguel hier öfters wie selbstverständlich anspricht: [...] Wissenschaft soll als ein Tatsachenbericht gelesen werden, Religion als eine Metapher.
    Das ist doch aber historisch gesehen schlichtweg nicht wahr. Religion war in seiner Konzeption nie als Metapher gedacht, Religion sollte gezielt Phenomäne in der Wirklichkeit erklären.[...]


    Das ist ein Punkt der durchaus nicht zu vernachlässigen ist.

    In deinem Beitrag erläuterst du, wie Wissenschaft die Religion in immer mehr Disziplinen abgelöst hat, bis heute jetzt soweit sind, dass von konventionellen Religion nur noch wissenschaftlich nicht-widerlegbare metaphysische Weltansichten übrig geblieben sind. Da stimme ich dir auch zu, dass die Forderungen herkömmlicher Religionen ihre Berechtigung verloren haben, weil das religiöse Konstrukt bis auf den metaphysischen Krams zerstört wurde ("Gott ist tot").

    Die Frage die sich dann in der Hinsicht stellt, ist die wie auch schon hier im Forum gefragte Frage nach der sinnvollen (!) Machbarkeit einer modernen Religion, die nicht wissenschaftlichen Erkenntnisen widerspricht. Muss ich mir noch Gedanken zu machen.

    Zur Beantwortung dieser Frage könnte es ggf. auch nützlich sein, die Frage zu klären, ob Religion, obwohl früher zu grossen Teilen als Tatsachenbericht gehandhabt, nicht eben doch bereits von Anfang an auch bewusst metaphysische Spekulationen gemacht hat, die per Definition nicht von Wissenschaft abgelöst werden kann. Randnotzig: Muss mir wohl miguels Beiträge nochmal durchlesen.

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